Oldies but Goldies: Foxi – Nach 12 Jahren Start in ein neues Leben

Von Martina Bartl

Hunde-Omas und -Opas sind etwas ganz Besonderes. Wir holen die grauen Schnauzen vor den Vorhang und stellen jeden Monat einen Hunde-Oldie vor. In dieser Ausgabe erzählt Daniela P. über ihren Oldie-Neuzugang Fox – einem etwa 12-jährigen Mischlingsrüden aus Rumänien.

Fox ist seit April 2022 bei Daniela Peterka, die regelmäßig Oldies aus einem Hundeauffanglager in Bukarest aufnimmt: »Sie sollen bei mir die letzte Chance auf ein Zuhause, Sicherheit, Liebe und Geborgenheit bekommen«, beschreibt Daniela einen ihrer Beweggründe, immer wieder ältere Hunde zu sich zu nehmen. Zu diesem Shelter in Bukarest – und zum Tierschutz im Allgemeinen – hat die 32-jährige Niederösterreicherin ein ganz besonderes Verhältnis: »Die Tierschutzarbeit begleitet mich seit meiner Kindheit. Bereits in meiner Jugend unterstützte ich den Inlandstierschutz. Sehr schnell wurde mir klar, dass der Auslandstierschutz auf noch mehr Unterstützung angewiesen ist. Es gab für mich viele Beweggründe, mein Leben intensiv dem Tierschutz zu widmen, ein Schlüsselerlebnis hatte ich im Jahr 2005. Ich machte eine Mittelmeer-Kreuzfahrt, an einem Mittwoch ankerten wir in Griechenland in Santorin. Und das, was ich dort sah, hat mir zum ersten Mal in meinem Leben die Respektlosigkeit und Gleichgültigkeit unter Menschen und ihren Mitgeschöpfen gezeigt. Ab etwa 2011 habe ich Hunde aus einer ungarischen Tötungsstation rausgeholt, resozialisiert (sofern notwendig) und auf ein Leben bei einer Familie vorbereitet. Ich entschied mich hier immer bewusst für Hunde, die auf der Tötungsliste standen oder (aufgrund ihrer Vorgeschichte oder ihres Aussehens) schwer vermittelbar waren. Seit 2014 unterstütze ich ein privates Tierheim in Bukarest in Rumänien, das von einer Bekannten von mir vor Jahren aus Verzweiflung auf ihrem Grundstück entstanden ist. Grund dafür war das damals in Rumänien wieder in Kraft getretene Hundetötungsgesetz.«

»Man kann nicht alle Tiere der Welt retten, aber man kann die ganze Welt eines Tieres retten.« – Ein Spruch, der Daniela und viele andere Tierschützer bei ihrer Arbeit motiviert und der im Fall Fox dank Daniela wahr wurde: »Ich hatte mich für Foxi entschieden, da er mehrere Tumore am Körper hat und er sein ganzes Leben unter katastrophalen Bedingungen in einem Shelter verbracht hat. Er wurde von anderen Hunden all die Jahre gemobbt. Fox konnte nur dann zum Futter und Wasser, wenn die anderen Hunde abgelenkt waren oder schliefen. Sobald er aus seiner Hundehütte kam, wurde er attackiert. Sein ganzes Leben lang! Das muss man sich mal vorstellen …«

Foxis Verwandlung

Über die Vorgeschichte des Hundes weiß die Halterin nur sehr wenig: »Über Fox gab es in dem Auffanglager keine Aufzeichnungen mehr. Es war nur bekannt, dass er bereits sein ganzes Leben lang im Auffanglager verbracht hat. Dass er anfangs Angst beim Anleinen hatte, lässt vermuten, dass er von Hundefängern gefangen und in die Tötungsstation (öffentliches Tierheim) gebracht wurde. Dieses Verhalten beim Anleinen ist typisch für Hunde, die mit Schlinge von Hundefängern gefangen wurden. Foxi hat jedoch sehr rasch verstanden, dass die Hundeleine keine Schlinge der Hundefänger ist.«

Im Juli 2022, als wir Danielas Zuschrift erhielten, war Foxi erst wenige Wochen bei ihr, dennoch war die Verwandlung des tapferen Rüden innerhalb dieser kurzen Zeit frappant: »Viel gemeinsame Zeit hatten wir bislang noch nicht. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie schnell sich Hunde, die so viel aushalten mussten, zum Positiven verändern. Ich liebe die Verwandlungen der Hunde, die einst aufgegeben haben und nie etwas Schönes in ihrem Leben erleben durften. Wenn man sich vorstellt, sein ganzes Leben in Angst leben zu müssen. Angst zu haben, dass man umgebracht wird. Ständiger Stress. Kein Tiefschlaf! Keine entspannte Futter- und Wasseraufnahme! Fox ist, wie all meine geretteten Oldies, dankbar für jede Kleinigkeit. Selbst die normale Fütterung, zweimal täglich, ist für Foxi etwas ganz Besonderes. Fressen ohne Angst haben zu müssen, ein Napf für ihn alleine, Fressen ohne Stress und danach ein entspannter Gang zum Wassernapf – das ist für Foxi bereits ganz toll. Und dies zeigt er mit einer unglaublichen Dankbarkeit.«

Lebensfreude kehrt zurück

Nach all dem Leid, der Angst und dem Stress in seinem bisherigen Leben ist Foxi zwar mittlerweile alt, hat aber dennoch so viel Kraft und Lebensfreude, »die immer mehr zurückkommt! Es sind die kleinen Veränderungen, die sich zu einem schönen Erlebnis verwandeln. Einen dieser Momente durfte ich vor Kurzem erleben, als ich nach Hause kam. Ich sperrte die Tür auf und mein Rudel kam angelaufen und begrüßte mich schwanzwedelnd. Mit dabei war auch das erste Mal Mr. Foxi. Für viele Menschen ist dieses Verhalten eines Hundes normal, wenn man nach Hause kommt. Für mich jedoch nicht. Nicht für einen Hund, der durchgehend in Angst gelebt hat! Für mich ist es ein Zeichen, dass wir am richtigen Weg sind und Foxi langsam ankommt«, freut sich Daniela über die Entwicklung von Foxi.

»Foxi ist ein ganz toller Rüde. Vor ein paar Tagen hat er seine Liebe zu Kauartikel gefunden, und mittlerweile zerlegt er diese auch ganz professionell. 🙂 Fox ist sehr sozial und einfach nur perfekt! Der Opi war von Anfang an stubenrein und konnte allein bleiben. Dies ist jedoch für erfahrene alte Hunde typisch. Nach all den Jahren, die sie in Angst und Stress leben mussten, sind sie einfach dankbar, dass sie jetzt ein Dach über den Kopf haben, nicht mehr frieren müssen und gleichzeitig ein weiches Bettchen haben. Ich wünsche mir für Foxi, dass er noch lange sein neues Leben in vollen Zügen genießen darf!«

Steckbrief

Name: Fox
Geschlecht: Rüde
Alter: ca. 12 Jahre
Rasse: Mischling
Lieblingsfutter: Alles …
Lieblingsbeschäftigungen:
Am Sofa in Frauchen Decken kuscheln.
Sonstige Vorlieben: Kauartikel kauen

Harte Realität

Die Lebensbedingungen für einen Hund in einem rumänischen Tierheim und auch in einem privaten Shelter sind grundsätzlich nicht schön. Die Hunde warten in den privaten Auffangstationen – im Gegensatz zu den staatlichen Tierheimen – zwar nicht auf den Tod, dennoch kommt es immer wieder vor, dass sie durch andere Hunde in Stresssituationen leben, oder wegen Krankheiten oder aber auch durch Kälte, Hunger u.s.w. sterben. Die Haltungsbedingungen sind in privaten Sheltern nicht unbedingt viel besser als in einem öffentlichen Tierheim, »aber im Gegensatz zu den öffentlichen Tierheimen, wo die Hunde nur auf ihre Tötung warten, haben die Hunde in einem privaten Shelter die Chance, adoptiert zu werden. Von Menschen aus Deutschland, Österreich oder auch Großbritannien. Bereits vor einigen Jahren habe ich die Vermittlung nach Österreich und Deutschland übernommen. Seit 2019 fahre ich regelmäßig nach Bukarest in die private Auffangstation meiner Bekannten. Das Tierheim ist schwer auch nur annähernd auf Vordermann zu bekommen. Aktuell befinden sich rund 300 Hunde im Shelter. Bemerkenswert ist, dass nur sehr wenige Hunde verhaltensauffällig sind bzw. wurden. Diese Hunde werden auch nicht vermittelt. Die Hunde haben keine richtigen Schlafplätze, keine Decken, keinen guten Schutz vor Witterung – sie haben einzig und allein alte, desolate, provisorische Zwinger und kaputte Hundehütten. Für Welpen ist es besonders hart, die meisten sterben aufgrund des Parvo-Virus. Bei meinem letzten Aufenthalt in Bukarest starben vor meinen Augen in nur wenigen Minuten drei Hundewelpen«, beschreibt Daniela Peterka ihre Aufenthalte in Bukarest.

»Ich werde oft gefragt, wie ich das ganze Leid bloß aushalte. Die Tiere geben mir Kraft und sind mein Ausgleich, um tagtäglich in die Realität zurückzufinden. Dennoch musste auch ich mir eingestehen, hin und wieder eine Pause zu machen, um ein wenig Abstand vom (Auslands)-Tierschutz zu bekommen. Das viele Leid und die Ungerechtigkeit gehen einem sehr nahe. Viele Tierschützer, vor allem im Ausland, werden tagtäglich mit der Ungerechtigkeit konfrontiert und haben keinen Rückzugsort, um mal abschalten zu können und um sich psychisch und physisch zu erholen. Oftmals enden diese Menschen hilflos und völlig überfordert«, weiß Daniela über die schier übermenschlichen Anforderungen an die einzelnen Menschen im Tierschutz.

Jeder Besuch in dem Shelter ist sehr emotional für Daniela, »dennoch freue ich mich über jede einzelne Hilfsfahrt, um diesen hilflosen und nicht gewollten Geschöpfen zu helfen. Jenen, die vor Hunger oder Schmerz aufgegeben haben, wieder ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Ihnen Geborgenheit und Sicherheit zu geben und schlimme Erlebnisse zu verarbeiten. Denn die Hunde im Shelter strahlen eine so unglaubliche Dankbarkeit aus. Ich würde mir wünschen, dass in Ländern wie Rumänien, Ungarn, Spanien oder auch Italien entsprechende Tierschutzgesetze eingeführt werden, damit das Sterben unschuldiger, gesunder Hunde endlich aufhört!«

Jeder, der Daniela Peterka bei ihrer Tierschutzarbeit und dem Shelter in Bukarest unterstützen möchte, kann sich gerne mit ihr in Verbindung setzen: Tel.: +43 680/236 83 99 oder E-Mail: ella.peterka@gmx.at

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