Fit in den Herbst: Spaziergänge mit dem Hund aktiv gestalten

Von Carmen Heritier

Wenn die letzten langen Sommerabende passé sind, hat der Herbst Einzug gehalten. Das spüren natürlich auch unsere Hunde und zeigen verändertes Verhalten, haben andere
Bedürfnisse und erscheinen etwas ruhiger und bewegungsunlustiger.

Was passiert im Hundekörper genau und wie können wir diesen Prozess begleiten? Hunde produzieren – genau wie Menschen – das Hormon Melatonin in ihrer Zirbeldrüse. Melatonin wird umgangssprachlich das »Schlafhormon« genannt und tatsächlich ist es für die Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus zuständig, wird aus Serotonin gebildet und ist Teil des Tryptophan-Stoffwechsels. Die Melatoninbildung wird durch Tageslicht gehemmt, deswegen auch der Name »Schlafhormon«. Vereinfacht ausgedrückt: Im Winter sind unsere Hunde und wir weniger Sonnenlicht ausgesetzt, die Melatoninproduktion ist dadurch erhöht und Schläfrigkeit macht sich breit. Tatsächlich wird die Melatoninproduktion auch wechselseitig durch die Nahrung, die ein Säugetier zu sich nimmt, und dessen Aktivität beeinflusst.

Was bedeutet das nun für den Herbstbeginn?
Durch die verminderte Sonnenstrahlung steigt der Melatoninspiegel und der Hund wird ruhiger, möchte sich nicht mehr so viel bewegen wie im Frühling oder in den Morgen- und Abendstunden eines Sommertages. Je nachdem, wie Ihr eigener Melatoninspiegel reagiert, spüren Sie dies auch bei sich selbst. Um nicht im Herbst-Blues zu versinken, können Sie Abhilfe schaffen, zum Beispiel durch einfach umzusetzende Beschäftigungsideen auf dem Spaziergang und ernährungsphysiologische Unterstützung. Füttern Sie Ihrem Hund zum Beispiel keine melatoninreichen Lebensmittel, die ihn noch schläfriger werden lassen. Verzichten sollten Sie also auf:

• Bananen
• Getreide wie Reis, Mais und Hafer
• Naturbelassene Nüsse wie Haselnuss, Walnuss, Pekannuss (Vorsicht grundsätzlich bei Erdnuss und Macadamia, hier können allergische/ungewollte Reaktionen entstehen, diese sollte zu keiner Jahreszeit gefüttert werden.)

Achten Sie nun besonders darauf, Ihrem Hund über sein Futter folgende »Wachmacher« zu streuen:

• Geriebener Apfel
• Karotten
• Beeren
• Frische Kräuter

Gerade Seniorenhunde profitieren von frischem Obst und Gemüse in der Übergangszeit.

Ein weiterer Faktor ist die Bewegung. Nebel, schlechtes Wetter und zunehmende Kälte lassen bei Hund und Mensch die Lust auf lange Spaziergänge sinken. Dabei tut gerade jetzt zur »Miesepeterzeit« Bewegung gut. Die folgenden Übungen können Sie einfach in Ihren Spaziergang integrieren oder – bei ganz schlechtem Wetter – in Ihr Wohnzimmer verlegen.

Die sogenannten Gymnastricks sind eigentlich Übungen aus dem Dogdance, die speziell konzipiert wurden, um das Körpergefühl von Hunden zu verbessern und bestimmte Körperregionen gezielt zu trainieren. Und im Herbst bietet es sich wunderbar an, diese Übungen nach draußen zu verlegen, in Ihren Spaziergang zu integrieren und alles, was die Natur zu bieten hat, als Trainingsgerät zu nutzen, um so etwas Pep in den Spaziergang zu bringen. Zusätzlich üben Sie so spielerisch mit Ihrem Hund, dass es sich auch draußen lohnt, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, was insbesondere wichtig wird, wenn das Wild wieder aktiver ist. Achten Sie bei allen Übungen immer darauf, dass Ihr Hund sich nicht verletzen kann, indem Sie den Trainingsort vorher auf Verletzungsgefahr hin inspizieren.

Geländeübergänge zum Rückwärtsgehen nutzen
Geländeübergänge finden Sie in der Natur noch und nöcher. Gemeint sind damit z.B. der Übergang von einem Feldweg in eine Wiese, von Teer zu Schotter, von sandigem Untergrund zu Gras. Diesen Untergrundwechsel kann Ihr Hund nicht nur optisch wahrnehmen, sondern natürlich auch über die Sohlen seiner Pfoten. Und dies können Sie sich zunutze machen. So können Sie z.B. das Rückwärtsgehen trainieren. Dafür würden Sie indoor ein sogenanntes Bodentarget etablieren, auf das Ihr Hund seine Hinterpfoten stellen soll. Outdoor lernt Ihr Hund einfach, den Untergrundwechsel als Hilfe für seine Position wahrzunehmen. Gehen Sie folgendermaßen vor:

1.) Führen Sie Ihren Hund in eine Steh-Position. Dabei sollten seine Vorderpfoten auf einem Untergrund (z.B. Kies) stehen, seine Hinterpfoten auf einem anderen (z.B. Wiese). Füttern Sie Ihren Hund mehrmals in dieser Position, sodass er diese mit etwas Lohnenswertem verknüpft.

2.) Stellen Sie sich breitbeinig direkt vor Ihren Hund und deponieren Sie ein Leckerchen zwischen Ihren Beinen und zwar so, dass Ihr Hund mit beiden Hinterpfoten von der Matte gehen muss, um an das Leckerchen zu kommen. Jetzt wird es spannend:

3.) Halten Sie Klicker und Leckerchen bereit und passen Sie den Moment ab, indem sich Ihr Hund wieder rückwärts aus seiner Position begibt und somit automatisch auf den anderen Untergrund treten »muss«. Füttern Sie Ihren Hund, während seine Hinterpfoten auf dem anderen Untergrund stehen. Wiederholen Sie diesen Ablauf mindestens 10 Mal.

4.) Verändern Sie jetzt Ihre Entfernung vom Geländeübergang. Wichtig: Der andere Untergrund bleibt immer das Ziel für Ihren Hund. Gehen Sie kleinschrittig vor, sodass Ihr Hund zunächst nur einen kleinen Schritt mehr machen muss. Klicken und belohnen Sie das Erreichen des anderen Untergrundes und füttern Sie Ihren Hund ausschließlich dort.

5.) Haben Sie sich mindestens eine Körperlänge von Ihrem Hund entfernt und er sucht dennoch zielstrebig und flüssig den Geländeübergang auf, können Sie damit beginnen, ein Wortsignal einzubauen.

6.) Neigt Ihr Hund dazu, schief rückwärts zu laufen, könnte Folgendes helfen: Klicken Sie konsequent nur dann, wenn beide Hinterpfoten auf dem anderen Untergrund stehen. Belohnen Sie außerdem nicht immer aus der einen Hand, sondern benutzen beide Hände zur Leckerligabe, um einseitiger Erwartungshaltung vorzubeugen. Ein schräges Rückwärtslaufen kann viele Gründe haben: Vielleicht hat Ihr Hund nur eine Lieblingsseite, wie wir beispielsweise ein Lieblingsbein beim Absprung haben. Es kann aber auch auf einseitig stärker bzw. schwächer ausgeprägte Muskeln zurückzuführen sein. Prüfen Sie also in Ihrem sonstigen Training, ob Sie Ihrem Hund viele Übungen abverlangen, die seine Muskulatur einseitig belasten und wirken Sie dem entgegen, indem Sie in Zukunft beide Seiten trainieren. Prüfen Sie weiterhin, ob Ihr Hund unter Verspannungen oder Problemen des Bewegungsapparates leidet.

Das bewusste Rückwärtsgehen fordert in hohem Maße die Koordination der Hintergliedmaßen und trainiert zudem im Besonderen den Rücken Ihres Hundes.

Holzbalken zum Balancieren und für Positionswechsel
Holzbalken sind tolle Übungsgeräte, wenn sie absolut fest liegen und die Oberfläche nicht rutschig ist. Dann können Sie Ihren Hund langsam drüberführen und ihn wenden lassen. Ist er hiermit vertraut, können Sie von ihm Positionswechsel wie den Platz-Steh-Wechsel abfragen.

1.) Die Startposition für diese Übung ist das Platz in typischer Sphinx-Stellung, d.h. so, dass die Hinterbeine eng am Körper anliegen und nicht nach außen zeigen.

2.) Bieten Sie Ihrem Hund nun ein Leckerchen an. Dabei ist die Position des Leckerlis entscheidend, damit sich Ihr Hund nicht hinsetzt, sondern direkt in die Stehposition wechselt. Zeigen Sie Ihrem Hund das Leckerli zunächst direkt vor seiner Schnauze auf dem Boden und bewegen Sie es dann zügig in Richtung Ihres Bauches. Dabei sollten Sie eine gerade Linie verfolgen und Ihre Hand nie senkrecht nach oben ziehen, sondern immer im schrägen Winkel in Richtung Bauch. Die Endhöhe der Leckerlihand gibt Ihr Hund vor, sie entspricht seiner Schnauzenhöhe in stehender Position. Klicken Sie Ihren Hund zunächst wirklich für die Bewegung, hilfreich ist ein Klicken der Hinterbeine.

3.) Funktioniert dies zuverlässig, führen Sie ein Hörzeichen ein. Nun bauen Sie langsam Ihre Körperhilfe ab, indem Sie Ihre Beine zunächst wieder normal hinstellen und dann erst das Hörzeichen geben und nur bei Bedarf mit der Leckerlihand nachhelfen.

Varianten
Für den optimalen Effekt fragen Sie immer wieder »Steh« und »Platz« im Wechsel ab. Idealerweise bringen Sie Ihrem Hund noch den Positionswechsels ins Sitz und ins Verbeugen bei, dies ergibt ein tolles Rundumprogramm. Diese Übung ist vergleichbar mit den menschlichen Liegestützen und spricht neben Oberarm- und Oberschenkelmuskulatur auch die gesamte Rückenmuskulatur an.

Baumstumpf für den Elefantentrick nutzen
Der Elefantentrick ist eine Übung, die in besonderem Maße die Koordination und Beweglichkeit des gesamten Rumpfes fördert und fordert. Hat Ihr Hund Mühe, diese Übung zu erlernen, deutet dies nicht selten auf Verspannungen hin. Baumstümpfe in unterschiedlichen Höhen erlauben ideales Training unterwegs.

1.) Klicken Sie jegliches Interesse am Baumstumpf und Ihr Hund wird recht zügig versuchen, seine Pfoten auf den Stumpf zu stellen. Diesen Moment belohnen Sie großzügig, Ihr Hund verbleibt dabei auf dem Baumstumpf. Sollte Ihr Hund nicht mit den Pfoten auf dem Baumstumpf stehen möchten, prüfen Sie, ob er wackelt und helfen Sie Ihrem Hund ggf. mit dem Handtarget.

2.) Begeben Sie sich direkt vor Ihren Hund, der sich noch mit seinen Vorderpfoten auf dem Baumstumpf befindet und bieten Sie ihm den Handtarget auf Schnauzenhöhe mittig Ihres Körpers an. Wiederholen Sie dies mindestens 5 Mal.

3.) Jetzt können Sie anfangen, sich langsam um den Baumstumpf herum im Kreis zu bewegen. Zunächst nur minimal, sodass Ihr Hund nur den Kopf zur Seite recken muss. Dies klicken und belohnen Sie.

4.) Jetzt bewegen Sie sich etwas weiter von Ihrem Hund weg, allerdings in der gleichen Richtung wie zuvor. Halten Sie den Handtarget mittig vor Ihren Körper. Ihr Hund muss sich nun aktiv etwas drehen. Dabei ist es wichtig, dass Sie die Bewegung der Hinterhand klicken. Schauen Sie dazu am besten auf den Hintern Ihres Hundes. Sobald sich dieser seitwärts bewegt, klicken und belohnen Sie Ihren Hund. Ihr Hund sollte nun wieder gerade ausgerichtet vor Ihnen stehen. Wiederholen Sie dies häufig. Bewegt sich die Hinterhand Ihres Hundes nicht, helfen Sie ihm, indem sie Ihre Targethand in Richtung seiner Schulter führen. Dieser Bewegung sollte er folgen und muss somit unwillkürlich seine Hinterbeine bewegen. Klicken und belohnen Sie dies mehrmals und üben Sie beide Richtungen.

5.) Klappt diese Übung in eine Richtung, machen Sie sich nun direkt an die andere Seite und gehen Sie analog Punkt 3.) und 4.) vor.

6.) Macht es Ihrem Hund keine Mühe, Ihnen in beide Richtungen zu folgen, belohnen Sie jetzt erst nach 2 oder mehr Schritten. Variieren Sie Richtung und Belohnungsrate.

7.) Folgt Ihr Hund Ihnen flüssig mehrere Schritte in beide Richtungen, wird es Zeit, das Wortsignal hierfür einzuführen. Idealerweise wählen Sie zwei Wortsignale, eines für rechtsherum und eines für linksherum. Sagen Sie Ihr Wunschsignal für eine Seite, bevor Sie sich bewegen. Erst dann starten Sie die Bewegung und belohnen Ihren Hund für ein Befolgen dieser. So wird er schrittweise das Signal mit der Bewegung verknüpfen und Ihnen bald vorgreifen.

Mit diesen Übungen und dem Wissen über die hormonelle Umstellung im Hundekörper können Sie Ihren Hund gut durch den Herbst begleiten. Viel Erfolg dabei!

 

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